Zoque 88% – Im Land der vielen Farben - Original Beans

Zoque 88% – Im Land der vielen Farben

Langsam wache ich auf. Die Sonne ist kurz davor aufzugehen und der Himmel ist in ein mattes Blau getaucht. Der Duft von frisch geröstetem Kakao weht hinüber. Man hört, wie Kakaobohnen mit einem Holzlöffel in der Pfanne gewendet werden. Irgendwo in der Nähe wird ein Huhn geschlachtet. Die Zikaden stehen Wache im Nebel, der den Wald noch bedeckt. Ich schaue mich um. José und Maria Suzanna sitzen in einer Hängematte. Sie schlürfen Kaffee. Sie ist schon lange wach und er macht sich langsam bereit für den langen Aufstieg zu den Kakaofeldern, den „Cacaotales“. Ich liebe es, dass überall, wo ich hinschaue, leuchtend bunte Farben sind, denn sie zeigen mir, wovon Mexikos geprägt ist: Vielfalt. Ein wunderschönes Durcheinander von verschiedenen Kulturen und Traditionen herrscht in diesem Land. Ein gutes Beispiel dafür sind die Dörfer, in denen wir arbeiten. Sie beherbergen zwei verschiedenen indigene Kulturen, die Zoque und die Tzotzil. Die Zoque sind Nachfahren der Olmeken, die Rückstände von Theobromin (Kakao) in 3800 Jahre alten Keramikgefäßen hinterlassen haben. Die Tzotzil hingegen stammen von den Mayas ab, die, so sagt man, unter dem Bann der Kakaofrucht standen und die Mutter eines ihrer größten Könige, König Pakal, als Chimäre aus Mensch und Kakao abgebildet haben. Das kleine Tzotzil Dorf ist tatsächlich nicht weit entfernt von historischen Ruinen der Olmeken und Maya .

Die indigenen Zoque und Tzotzil – und vor ihnen ihre Vorfahren, die Olmeken und Maya – nutzen Kakao seit 4000 Jahren als heilige Zutat in ihrer Küche. Er ist wichtiger Bestandteil ihres kulturellen und ökologischen Erbes. Sie haben Kakao schon immer in biodiversen Hausgärten angepflanzt, die perfekt in den Selva Zoque Regenwald integriert sind, in dem Raubkatzen wie Jaguare, Ozeloten und Tigerkatzen sowie Klammer- und Brüllaffen zuhause sind.
Trotz der langen Kakaotradition der Region ist der Anbau in der letzten Zeit stark zurückgegangen. Die indigenen Familien sind seit Jahrzehnten von niedrigen Kakaopreisen und Armut geplagt. Im Angesicht von Armut und mangelnden Möglichkeiten in den kleinen Dörfern ziehen viele junge Menschen in die größeren Städte. Zu unserem großen Glück geben die lokalen Familien ihren Tabasqueño Kakao nicht so schnell auf, da sie ihn selbst täglich in Form von nährstoffreichen Getränken und würzigen Saucen konsumieren. Doch die Migration der jungen Männer und Frauen schwächt die indigenen Traditionen und Sprachen. Das Stammesgebiet der Zoque und Tzotzil in der Selva Zoque steht ebenfalls unter Druck: Wertvolle Regenwaldgebiete werden in Weideland umgewandelt und der Verlust der Biodiversität ist immens. Glücklicherweise sind große Waldgebiete im Besitz der indigenen Gemeinschaften, die die Wildnis mit ihrem traditionellen Lebensstil intakt halten und den Wald, den sie ihre Heimat nennen, klug verwalten.

Es war ein langer Tag in den Cacaotales und ich gehe in die Küche und begrüße die Köchin, Maria Suzanna, die vor einem Haufen Bohnen hockt. Mir wird eine leichte Hühnersuppe mit warmen gelben Tortillas serviert und ein kleines Gericht aus silbernen Flussschlangen mit Tomatillos und Chili, das sie extra für unsere Ankunft gekocht hat. Das Gericht ist wie ein Gemälde der artenreichen, bunten Landschaft, die uns umgibt.

Photos by: Jacqueline Dersjant – PHTGRPHR

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